DAS SPORTHIGHLIGHT DES WOCHENENDES
„Standard-Paar“ Sonntag/Zondler leitet VfL-Sieg ein
Wangen gewinnt Spitzenspiel der Fußball-Kreisliga A, Staffel 3
gegen Ermis Metanastis mit 2:0 und ist auf Titelkurs
Wangens Matthias Zondler versucht Ermis-Spieler Efstathios Rafailidis zu stoppen. In dieser Szene gelang das zwar nicht, aber am Ende jubelten Zondler und der VfL Wangen.
Von Torsten Streib
Eines vorne weg: Das Spiel hielt nicht das, was es im Vorfeld versprach. Kampf war 90 Minuten lang Trumpf. Einerseits lud der Platz bei Rot-Weiß Stuttgart nicht zum gepflegten Doppelpass ein, andererseits schien es den 22 Akteuren auch nicht wichtig, konstruktiv und planmäßig den Ball über mehrere Stationen nach vorne zu tragen. Wangen versuchte es häufig mit weiten Bällen in die Spitze, Ermis mit Einzelaktionen. Bei den Griechen scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Vielen Akteuren im Trikot der Heimelf hätte man einen eigenen Ball zur Beschäftigung geben können.Dennoch hatte die Partie bemerkenswerte und unterhaltsame Momente. Eine Seltenheit auf Fußballplätzen spielte sich in der 26. Minute ab. Efstathios Rafailidis rutschte rein, traf nicht den Ball, sondern seinen Gegenspieler. Daraufhin bewies Schiedsrichter Roth (SV Winnenden) koordinatives Geschick. Im Vollsprint kam er angerannt, griff währenddessen noch in seine Gesäßtasche und förderte zur Überraschung aller Anwesenden auf der Anlage die Rote Karte zu Tage - Ermis verstand die Welt nicht mehr, und tatsächlich wäre die Gelbe Karte auch noch eine harte Strafe gewesen. Dies dachte sich auch der gefoulte Wangener Spielführer Andreas Sonntag und teilte es dem Unparteiischen mit: „Das war höchstens gelbwürdig, mehr nicht“, so Sonntag. Woraufhin der Unparteiische die Farbe Rot schnell in der Tasche verschwinden ließ und Rafailidis Gelb zeigte. Respekt für die Aktion von Sonntag: „Wir wollen das Spiel auf faire Weise gewinnen“, sagte Sonntag, als der Schiedsrichter die Partie wegen Hagels in der 30. Minute für zehn Minuten unterbrach. Und das Unterhaltsame an der Partie - wenn man als neutraler Zuschauer auf der Anlage war - das war besagter Schiedsrichter. Er pfiff das faire Spiel sehr konsequent, doch manchmal wussten die Akteure samt Fans nicht, warum er seine Pfeife betätigte. So zum Beispiel kurz vor Schluss, als er die Fangaktion von Wangens Schlussmann Damian Nagler mit einem indirekten Freistoß ahndete, weil dieser „Leo“, was beim Fußball als Ersatz für das eigentlich strafbare „weg“ verwendet wird, abpfiff. Kurz danach entwich aus Naglers Mund erneut laut und deutlich das Wort „Leo“, doch diesmal unterband er dies nicht. Eines muss man dem Unparteiischen zugute halten: Gravierende Fehler machte er keine. So war auch der Elfmeter für Ermis in der 39. Minute, nachdem Nikos Sazonidis einen Schubser von Vito Ardone bekam und zu Boden ging, berechtigt. Die Proteste der Wangener hielten sich auch in Grenzen. Doch Georg Papadopoulos führte so schwach aus, dass Nagler den Ball sogar sicher hielt. Nach der Pause kämpften beide Parteien eifrig weiter, Torchancen gab es weiterhin keine. Dies änderte sich in der 65. Minute. Der VfL Wangen kam zur Führung und zwar mit dem Mittel, vor dem Ermis-Spielertrainer Nikolaos Baltsios besonders gewarnt hatte: Standardsituationen. „Das Foul, das dem Freistoß vorausging, war völlig unnötig. Solche Aktionen wollten wir vermeiden“, ärgerte sich Baltsios nach der Partie am meisten über die Situation. Und beim VfL gibt es das Standard-Paar Andreas Sonntag, Matthias Zondler. Sonntag machte die Vorarbeit mit einem weiten Schlag und der kopfballstarke Zondler köpfte herrlich und unhaltbar zur Führung ein. „So haben wir zwei Drittel unserer Tore erzielt“, zeigte sich VfL-Trainer Mährle nicht überrascht über das Tor. Ermis versuchte in der Folgezeit den Druck zu erhöhen. Doch das Einzelspiel wurde übertrieben. Die Wangener Abwehr stand sicher und außer einer guten Chance von Spielertrainer Baltsios, der in der 87. Minute frei aus 14 Metern zum Schuss kam und verzog, war Ermis harmlos. Die Wangener versäumten es jedoch, ihre zahlreichen Konter konzentriert und zielstrebig zu Ende zu spielen. So dauerte es bis zur 92. Minute, ehe Riccardo Pellegrino alleine aufs Tor zusteuerte und zum 2:0 einschoss. Damit sollte das Meisterrennen entschieden sein, so sieht es auch Mährle. „Das lassen wir uns nicht mehr nehmen und werden in den restlichen vier Begegnungen mit dem gleichen Engagement zu Werke gehen. Die Mannschaft hat hervorragend gekämpft.“ Auch Baltsios sieht den Wimpel bereits im Wangener Vereinsheim hängen, fürchtet sogar noch um die Relegetion. „Dafür dürfen wir uns auch keinen Ausrutscher mehr erlauben.“Ermis Metanastis: Iassonidis, Sazonidis, Phillip Baltsios, Papadopoulos (74. Kataitzidis), Tartanis, Nikolaos Baltsios, Posnakis, Rafailidis (70. Kalindis), Doufas, Demos, Kasanalis.
VfL Wangen: Nagler; Bartucelli (18. Janisch), Bucher, Chatzis, Sonntag, Marvulli, Kontny (84. Jurkovic), Pellegrino, Ardone (78. Andler), Zondler, Zymeri.
Tore 0:1 Zondler (65.), 0:2 Pellegrino (92.).
Besondere Vorkommnisse: VfL-Torhüter Damian Nagler pariert Foulelfmeter gegen Georg Papadopoulos (39.).
Bad Cannstatt - Der VfL Wangen hat einen großen Schritt in Richtung Bezirksliga gemacht: Im Spitzenspiel der Kreisliga A, Staffel 3 setzte sich der VfL beim Tabellenführer Ermis Metanastis mit 2:0 (0:0) durch und eroberte den Platz an der Sonne zurück. Damit rangiert das Team von Trainer Michael Mährle nicht nur drei Punkte vor Ermis, sondern hat auch noch eine Partie weniger absolviert.